Welche Arbeit können Maschinen heute übernehmen?
KI verändert die Arbeit am Bildschirm. Roboter übernehmen körperliche Aufgaben. Entscheidend ist, welche Tätigkeiten automatisierbar sind, wie zuverlässig die Technik arbeitet und ob Unternehmen dadurch weniger Personal benötigen.
Ein Beruf muss nicht vollständig verschwinden, damit Menschen ihre Arbeit verlieren. Wenn weniger Beschäftigte dieselbe Leistung erbringen, kann der Personalbedarf sinken. Das technische Potenzial allein bestimmt jedoch nicht, ob Stellen tatsächlich abgebaut werden.
Die Farben kennzeichnen unsere qualitative Einschätzung des Automatisierungspotenzials. Sie sind keine gemessenen Arbeitsplatzverlustquoten. Gering bedeutet nicht risikofrei. Innerhalb eines Berufs unterscheiden sich Aufgaben und Betriebe erheblich. „Mittel“ fasst hier auch Profile mit mittlerem bis hohem Potenzial zusammen.
Büroarbeit, Gestaltung und digitale Berufe
Standardisierte digitale Arbeit ist besonders zugänglich für KI. Individuelle Anforderungen, Verantwortung und schwierige Ausnahmefälle begrenzen die vollständige Ersetzung. Die Einordnung orientiert sich an ILO und IAB, ergänzt durch eine redaktionelle Bewertung der genannten Aufgaben.
| Berufsgruppe | Betroffenheit | Automatisierbare Aufgaben | Was Menschen weiterhin leisten |
|---|---|---|---|
| Datenerfassung und Schreibdienste | Hoch | Datenübertragung, Dokumentenerfassung, Transkription | Unklare Quellen und Fehlerfälle prüfen |
| Büroassistenz und Sekretariat | Hoch | Termine, Korrespondenz, Protokolle | Persönliche Abstimmung und Sonderfälle |
| Buchhaltung und Rechnungsbearbeitung | Hoch | Belegzuordnung, Standardbuchungen, Rechnungsprüfung | Ausnahmen, Kontrollen und Verantwortung |
| Kundenservice und Callcenter | Hoch | Standardauskünfte und einfache Reklamationen | Komplexe Anliegen und Eskalationen |
| Übersetzung | Hoch | Standardtexte und Produktbeschreibungen | Fachprüfung und sprachliche Nuancen |
| Werbetexte und Produkttexte | Hoch | Textvarianten, SEO-Texte und Beschreibungen | Recherche, Positionierung und Faktenprüfung |
| Grafikdesign | Hoch | Standardmotive, Bildvarianten und einfache Layouts | Art Direction, Markenführung und Produktionsprüfung |
| Webdesign | Hoch | Einfache Websites, Landingpages und Layoutentwürfe | Individuelle Nutzerführung und Barrierefreiheit |
| Software- und Webentwicklung | Mittel | Standardcode, Dokumentation und einfache Anwendungen | Architektur, Integration, Sicherheit und schwierige Fehler |
| Medienbearbeitung | Hoch | Untertitel, einfache Schnitte und Bildbearbeitung | Dramaturgie und anspruchsvolle Produktion |
| Sachbearbeitung und Versicherungen | Hoch | Dokumentenprüfung und regelgebundene Standardfälle | Ermessen, Haftung und Sonderfälle |
| Rechtsassistenz | Mittel | Recherche, Entwürfe und Dokumentensichtung | Verlässliche Prüfung und Verantwortung |
| Finanz- und Datenanalyse | Mittel | Standardberichte, Auswertungen und Zusammenfassungen | Datenqualität, Interpretation und Entscheidungen |
| CAD-Konstruktion und technische Zeichnung | Mittel | Varianten, Zeichnungsableitung und wiederkehrende Änderungen | Fertigungswissen, komplexe Baugruppen und technische Freigabe |
Körperliche Arbeit und Robotik
In den kommenden 6–12 Monaten sind weitere Anwendungen vor allem dort plausibel, wo Abläufe bereits standardisiert sind. Ein allgemeiner Ersatz ganzer Berufsgruppen durch humanoide Roboter ist daraus nicht ableitbar. Klassische Automatisierung existiert in vielen dieser Bereiche seit Jahren und ist nicht automatisch KI.
| Berufsgruppe | Betroffenheit | Automatisierbare Aufgaben | Einführungsstand und Grenzen |
|---|---|---|---|
| Fließbandarbeit an standardisierten Stationen | Hoch | Gleiche Teile einsetzen oder entnehmen | An einzelnen Stationen kurzfristig möglich; Varianten und Störungen bleiben schwierig |
| Verpacken, Sortieren und Palettieren | Hoch | Wiederkehrende Handhabung gleicher Produkte | Bereits etabliert; Produktwechsel können Grenzen setzen |
| Schweißen und Lackieren in Serienfertigung | Hoch | Wiederholbare Fertigungsschritte | Bereits etabliert; Einzelanfertigung und Nacharbeit unterscheiden sich |
| Maschinenbeschickung | Hoch | Werkstücke einlegen und entnehmen | Bei standardisierten Abläufen kurzfristig möglich |
| Innerbetrieblicher Materialtransport | Hoch | Material auf definierten Wegen transportieren | Bereits verbreitet; Sonderfälle und ungeordnete Wege bleiben |
| Lagerkommissionierung | Mittel | Bestimmte Artikel greifen und zusammenstellen | Für geeignete Artikel möglich; beliebige Waren sind schwieriger |
| Visuelle Qualitätskontrolle | Hoch | Definierte Fehlerbilder erkennen | Kurzfristig umsetzbar; Ursachenanalyse braucht weitere Expertise |
| Bodenreinigung großer Flächen | Hoch | Freie, ebene Flächen reinigen | Kommerziell verfügbar; keine vollständige Gebäudereinigung |
| Küchen- und Ausgabetätigkeiten | Mittel | Spezialisierte Zubereitung und Ausgabe | Einzelanwendungen; Hygiene und Reinigung bleiben anspruchsvoll |
| Landwirtschaftliche Routinearbeiten | Mittel | Spezialisierte Feld- und Erntearbeiten | Stark abhängig von Kultur, Wetter und Gelände |
| Bauhandwerk, Reparatur und Montage vor Ort | Gering | Transport, Vermessung und einzelne Hilfsaufgaben | Gesamtberuf kurzfristig schwer ersetzbar; wechselnde Umgebung |
| Pflege und Betreuung | Gering | Transport und ausgewählte Assistenzaufgaben | Gesamtberuf kurzfristig schwer ersetzbar; Kontakt und Situationsbeurteilung |
Die Einstufung betrifft geeignete Teilaufgaben, nicht sämtliche Arbeitsplätze des Berufs. Für kurzfristige Umsetzbarkeit müssen Anlage, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Lieferfähigkeit im konkreten Betrieb geprüft werden.
Mensch und Roboter im Vergleich
Roboter können für einen Betrieb rund um die Uhr ausgelegt sein. 24 Stunden an sieben Tagen ergeben 168 geplante Betriebsstunden pro Woche. Ladezeiten, Wartung, Störungen und fehlendes Material verringern die nutzbare Zeit. Ohne entsprechende Nachfrage bringt zusätzliche Kapazität keine zusätzliche Einsparung.
Mensch
einer Vollzeitkraft
Roboter
eines Roboters
Faktor
im mittleren Szenario
| Vergleichsgröße | Mensch: eine Vollzeitkraft | Roboter: eine Einheit |
|---|---|---|
| Geplante Zeit pro Woche | 40 Stunden | 168 Stunden |
| Rechnerische Jahresstunden, 52 Wochen | 2.080 Stunden | 8.736 Stunden |
| Urlaub | 30 Arbeitstage = 240 Stunden (Beispielannahme) | Kein Urlaubsbedarf |
| Krankheitsausfall | 14,6 Arbeitstage = 116,8 Stunden | Keine biologischen Erkrankungen |
| Verfügbare Jahresstunden vor weiteren Unterbrechungen | 1.723,2 Stunden | 8.736 Stunden |
| Angenommener produktiver Anteil | 90 % | 90 % |
| Produktive Jahresstunden | 1.550,9 Stunden | 7.862,4 Stunden |
| Relative Leistung pro produktiver Stunde | 100 % | 100 % |
| Verhältnis der jährlichen Produktionsleistung | 1 | 5,07 |
Der Vergleich beschreibt ein Planungsszenario: 40 Wochenstunden, 30 Urlaubstage und durchschnittlich 14,6 Krankheitstage auf menschlicher Seite sowie tatsächlich genutzter 24/7-Betrieb auf Roboterseite. Für beide Seiten nehmen wir 90 % produktive Zeit und dieselbe verwertbare Leistung pro produktiver Stunde an. Die produktiven Anteile sind Modellannahmen, keine gemessenen Durchschnittswerte. Feiertage und zusätzliche menschliche Betreuung des Roboters sind in diesem Vergleich noch nicht berücksichtigt.
30 Urlaubstage sind eine Beispielannahme. Die 14,6 Krankheitstage entsprechen dem von Destatis berichteten Durchschnitt für 2025 (Stand: 23. Juli 2026). Die Jahresrechnung verwendet 52 Wochen und fünf menschliche Arbeitstage pro Woche; alle Ergebnisse werden erst bei der Ausgabe gerundet.
Szenarien und Berechnung
Die Szenarien verwenden dieselbe Jahresbasis mit 30 angenommenen Urlaubstagen, 14,6 Krankheitstagen und noch nicht berücksichtigten Feiertagen. Die verwertbare Leistung pro produktiver Stunde ist auf beiden Seiten gleich.
| Szenario | Produktiver Anteil Mensch | Produktiver Anteil Roboter | Menschliche Jahresarbeitsleistungen je Roboter |
|---|---|---|---|
| Geringerer Robotervorteil | 95 % | 85 % | 4,54 |
| Mittleres Planungsszenario | 90 % | 90 % | 5,07 |
| Größerer Robotervorteil | 80 % | 95 % | 6,02 |
Die Bandbreite von etwa 4,5 bis 6 menschlichen Jahresarbeitsleistungen zeigt die Auswirkungen unterschiedlicher Annahmen. Sie ist keine statistisch nachgewiesene Ersatzquote. Gemeinsame betriebliche Stillstände werden auf beiden Seiten nach denselben Regeln berücksichtigt.
Ein Roboter ist nicht auf die Aufgaben eines einzelnen Mitarbeiters beschränkt. Kann er passende Tätigkeiten mehrerer Mitarbeiter übernehmen, lassen sich automatisierbare Arbeitsanteile bündeln und seine Betriebszeit besser auslasten. Im mittleren Szenario könnte ein Roboter dadurch das Produktionsvolumen von rund fünf Vollzeitkräften übernehmen. Ob entsprechend viele Stellen ersetzt werden können, hängt davon ab, ob verbleibende Aufgaben neu verteilt werden können und zusätzliche Betreuung erforderlich ist.
Die Rechnung setzt voraus, dass der Roboter die zusammengefassten Aufgaben technisch bewältigt und rechtzeitig erledigt. Wechsel zwischen Aufgaben und Arbeitsstationen müssen im produktiven Anteil enthalten sein. Ein automatisierbarer Anteil von 70 % bedeutet daher nicht automatisch 30 % Leerlauf des Roboters: Er kann währenddessen passende Aufgaben weiterer Mitarbeiter übernehmen.
Was bedeutet eine Quote von 70 %?
70 % automatisierbare Tätigkeiten sind nicht automatisch 70 % eingesparte Arbeitszeit. Der IAB-Index zählt Kerntätigkeiten und gewichtet sie mangels Zeitdaten gleich. Für eine Personalrechnung braucht man dagegen den tatsächlich automatisierbaren Zeitanteil im Betrieb.
Der Zeitanteil im Jahresrechner bezeichnet ausdrücklich den angenommenen Anteil der produktiven menschlichen Arbeitszeit. Er bestimmt das verfügbare automatisierbare Arbeitsvolumen; die Roboter-Jahresleistung wird nicht zusätzlich mit diesem Anteil multipliziert.
Begrenztes Modellbeispiel: Vier Vollzeitkräfte leisten im mittleren Szenario zusammen 6.203,52 produktive Stunden pro Jahr. Bei 70 % passenden Aufgaben sind 4.342,46 Stunden automatisierbar. Trotz einer Roboter-Jahresleistung von 7.862,40 menschlichen produktiven Stunden beträgt die Bruttoentlastung hier nur 2,80 Vollzeitäquivalente. Bei acht Vollzeitkräften und demselben Zeitanteil begrenzt dagegen die Roboterkapazität die Bruttoentlastung auf rund 5,07 Vollzeitäquivalente. Das sind rechnerische Arbeitsvolumina, keine Kündigungszahlen.
Eigenes Jahresszenario berechnen
Ein Roboter, eine passende Aufgabengruppe. Festes Modelljahr: 52 Wochen und fünf menschliche Arbeitstage pro Woche. Produktive Anteile und Arbeitsverteilung sind Annahmen. Ergebnis: Jahresleistung und rechnerische Entlastung, keine Kündigungsprognose.
Standard 0: noch nicht berücksichtigt.
pro produktiver Stunde.
Feiertage: noch nicht berücksichtigt (0 Tage).
Nettoentlastung = (Bruttoentlastung in produktiven menschlichen Jahresstunden − zusätzliche Betreuung in menschlichen Arbeitsstunden pro Jahr) ÷ produktive Jahresstunden je Vollzeitkraft. Betreuung wird nur einmal abgezogen: Hier nur zusätzlichen Aufwand eintragen, der weder in den produktiven Anteilen noch im verbleibenden Aufgabenvolumen bereits enthalten ist. Negative Werte zeigen zusätzlichen menschlichen Arbeitsaufwand.
Gemeinsame betriebliche Stillstände sind in den produktiven Anteilen beider Seiten nach denselben Regeln anzusetzen. Die Feiertagseingabe betrifft zusätzliche menschliche Ausfalltage; ein gemeinsamer Betriebsschluss muss auch auf Roboterseite berücksichtigt werden. Nicht enthalten: Investition, Energie, Integration, Übergangsverluste oder neu entstehende Nachfrage.
Was die Studien tatsächlich sagen
Die ILO/NASK-Studie von 2025 sieht bei rund einem Viertel der weltweiten Beschäftigung eine gewisse Exposition gegenüber generativer KI; 3,3 % liegen in der höchsten Kategorie. In Ländern mit hohem Einkommen beträgt die allgemeine Exposition 34 %. Das sind keine Vorhersagen entsprechender Arbeitsplatzverluste.
Das IAB ermittelte für Deutschland mit technischem Datenstand 2022: 13,03 Millionen beziehungsweise 38 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial, also mehr als 70 % automatisierbaren Kerntätigkeiten. Erfasst werden digitale Technologien und Maschinen insgesamt. Diese Zahl ist keine aktuelle KI-Verlustquote und darf nicht mit der ILO-Zahl addiert werden.
BMW berichtet aus einem zehnmonatigen Pilotprojekt in Spartanburg über mehr als 90.000 von einem humanoiden Roboter gehandhabte Bauteile. Das ist ein konkreter Einsatznachweis, aber kein Beleg einer bestimmten Zahl ersetzter Beschäftigter. Branchenberichte der IFR zeigen etablierte Anwendungen in Logistik und Reinigung; humanoide Robotik hat weiterhin Grenzen bei Zuverlässigkeit, Kosten und Sicherheit.
Quellen und Einordnung
- ILO/NASK: Generative AI and Jobs, 2025
- IAB-Kurzbericht 5/2024, technischer Datenstand 2022
- BMW: Humanoide Robotik in Leipzig und Spartanburg
- IFR: Service Robots 2026
- Destatis: Krankenstand, 14,6 Arbeitstage im Berichtsjahr 2025 (Stand: 23. Juli 2026)
Studienbefunde, Unternehmensberichte, redaktionelle Berufseinstufungen und frei gewählte Rechenannahmen sind unterschiedliche Arten von Aussagen. Unternehmensberichte belegen berichtete Anwendungen, nicht unabhängig gemessene Beschäftigungseffekte.